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Dieter Lortz hat große Verdienste für die Entstehung und die sehr erfolgreiche Entwicklung des Handballsports in Bad Marienberg.

In Kurt Sanner, einem ehemaligen erfolgreichen Turner, fand er zum Glück eine Person, die ihn als Abteilungsleiter bei der Gründung und Entwicklung unterstützte.

Und in den Anfangsjahren war es auch so, dass Kurts Frau Irma gerne und sehr zuverlässig die ganzen Trikots der Herrenmannschaft nach dem Spiel wusch. So konnte man montags in der Triftstraße auf der Wäscheleine sehen, dass die Handballer mal wieder ein Spiel am Wochenende absolviert hatten ;-)




Ein Vierteljahrhundert Handball in Bad Marienberg
1970 - 1995
(Quelle: 25 Jahre Handball in Bad Marienberg, 1970 - 1995, Geschichte und Geschichten rund um den Handball; U. Chelius, D. Lortz, T. Müller, Bad Marienberg 1995)
Da war doch noch was? oder Wie alles begann
Vor genau 25 Jahren wusste man zwar, dass in Westerburg, Hachenburg und Bannberscheid Westerwälder Handballsport betrieben wurde, doch sonst war Handball hier eher eine unbekannte Größe. In Bad Marienberg an diese Hallensportart auch nur zu denken, war ein Unding. Erstens gab es keine geeignete Halle und zweitens wurde die Badestadt zu diesem Zeitpunkt noch von König Fußball beherrscht.
Um so erstaunter war der aus Wattenscheid Zugereiste und in Westerburg spielende Dieter Lortz, als eine Abordnung Marienberger Jugendsportler an seiner Tür klingelte. Gerd Basting, Karl Ebell, Olaf Harder, Axel Weber und Rainer Järschke baten Dieter Lotz in Bad Marienberg, eine Handballabteilung zu gründen. Die 1970 eingeweihte Zweifachturnhalle an der Kirburger Straße bot hierzu die räumlichen Möglichkeiten.
Begeistert von soviel Eigeninitiative und einer Vielzahl von Supertalenten sagte Lortz sofort zu. Er sowie Günter Zabel wechselten sofort von Westerburg nach Marienberg. In dem ehemaligen Spitzenturner Kurt Sanner fand sich ein engagierter Abteilungsleiter und Günter Zabel, ausgestattet mit einer neuen Trainerlizenz, sollte das Amt des Trainers übernehmen.
Eine kleine Anzeige in der Westerwälder Zeitung hatte zur Folge, dass am 20. September 1970, dem ersten Trainingstag, die relativ kleine Halle überquoll. Mehr als 40 handballbegeisterte Spieler übervölkerten die Spielfläche. Günter Zabel stand vor einem herrlichen Chaos. Zunächst wurden Gruppen nach Alter und Leistungsstärke zusammengestellt und schon bald spielten zwei Herrenmannschaften, eine Damenmannschaft und zwei Jugendteams in den einzelnen Kassen.
DER HANDBALL IN BAD MARIENBERG WAR GEBOREN!
Supertalente wie Rückes, Emrich, Giese, Wallmeroth, Basting, Halb, Ofterdinger, Brückmann, Pfeiffer, Heuzeroth, Schenkel, Harder, Giloy, U. Sanner, Suberg, Zabel und Lortz sorgten für eine gesunde Basis in den ersten schweren Jahren. Erfolge blieben nicht aus, und so stieg man von der 3. Kreisklasse in nur fünf Jahren bis in die Landesliga auf. Die TuS Bad Marienberg hatte sich damit die Vormachtstellung in Sachen Handball im Westerwald erobert.
Genau zehn Jahre nach der Gründung der TuS-Abteilung kam ein ganz großes Jahr für die Handballer. Neben dem Aufstieg in die Oberliga Rheinland feierte man auch im Pokal Riesenerfolge. Unter dem damaligen Trainer Horst Emrich schaltete man reihenweise Regionalligisten aus und wurde erst von Bundesligist Bayer Leverkusen aus dem Rennen geworfen. 1.200 begeisterte Zuschauer waren damals in der Hachenburger Rundsporthalle, wohin man aus Platzgründen ausgewichen war. Ausschnitte des Spiels wurden sogar im Fernsehen übertragen.
Nun folgten neun Jahre in der Oberliga, in denen die TuS immer zu den Spitzenteams in dieser Klasse zählte. Die neue Dreifachsporthalle wurde zu einer Festung. Nur DREI Spiele verloren die Marienberger vor heimischer Kulisse in dieser Oberliga-Zeit, vor allem dank der fantastischen Zuschauerunterstützung. In den besten Oberligajahren lag der Besucherschnitt bei ca. 600. Doch der Aufstieg in die Regionalliga wollte einfach nicht gelingen.
Dann kam das Jahr 1988, welches den Handballsport in Bad Marienberg veränderte. Zunächst schaffte die Damenmannschaft unter Trainer Christoph Schell den langersehnten Aufstieg in die Regionalliga. Diesem Erfolg wollten die Herren natürlich nicht nachstehen und so wurde mit Caslav Dincic ein Spielertrainer besonderer Klasse verpflichtet. Dinca, wie er in Bad Marienberg genannt wurde, erlernte seine handballerischen Fähigkeiten beim Belgrader Renommierclub Partizan.
Ein erneuter Handballboom setzte in der Badestadt ein. Mit 16 Mannschaften avancierte die TuS Bad Marienberg zum größten nichtfusionierten Verein in Rheinland-Pfalz. Das bis dahin sportlich relativ unbekannte Westerwald-Städtchen wurde zu einem Gesprächsthema im Handballsport, auch weit über den Westerwald hinaus. Denn... im April 1989 wurden auch die Herren Rheinlandmeister und stiegen in die Regionalliga West Gruppe Süd auf. Im entscheidenden Spiel gegen Angstgegner Siesbach stärkten gleich 1.100 Zuschauer der TuS den Rücken in der Halle an der Kirburger Straße. Mit neun Toren Differenz wurde Siesbach aus der Halle gefegt und der Westerwald hatte genau zehn Jahre nach den sensationellen Pokalerfolgen erneut allen Grund, stolz auf seine Handballer zu sein...
Der Aufstieg war geschafft! 700 Handballfans feierten zusammen mit Spielern und Offiziellen bei gesponsertem Freibier diesen Erfolg bis in die frühen Morgenstunden.
Eine kleine sportliche Sensation war erreicht. In einem Ort mit nur ca. 6.000 Einwohnern „handballerten" gleich zwei Mannschaften in der dritthöchsten Spielklasse Deutschlands.
Nach neun überaus erfolgreichen Jahren in der Oberliga wurden auch in der Regionalliga großartige Leistungen gezeigt; und so, drei Jahre nach dem Aufstieg, erreichten die Spieler um Caslav Dincic den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Ein vierter Tabellenplatz berechtigte zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Als Außenseiter unter vier Spitzenteams aus der Regionalliga-West entwickelten sich die Marienberger 1. Herren zum Favoritenschreck und wurden in ihrer Gruppe Dritter.
In der folgenden Saison verpasste man als Tabellenfünfter eine erneute Teilnahme an der Play-off Runde denkbar knapp.
Auch die Damen erreichten in ihrer Regionalligazeit mehrmals gute Tabellenplätze.
Nun folgte die bitterste Stunde nach 23 Jahren des permanenten Aufstieges für die TUS. Aus finanziellen Gründen mussten sowohl die Damen als auch die Herren aus der Regionalliga zurückgezogen werden. Wegen steigender Kosten für die Mannschaften, bei gleichzeitig sinkenden Zuschauerzahlen, war dieser Schritt aufgrund wachsender Verschuldung notwendig. In einer Handballsaison hatte die TuS rund 42.000 Fahrtkilometer zu bewältigen, also mehr als eine Erdumrundung für den Handballsport. Hinzu kamen steigende Fahrtkosten für auswärtige Spieler und hohe Spielbetriebskosten. Da die TuS im Westerwälder Raum keine Großsponsoren finden konnte, die für ein finanziell anspruchsvolles Unternehmen wie die Regionalliga notwendig sind, blieb nur die Rückkehr in die Oberliga. Bis auf Frank Wulfestieg und Tim Buchner verließen alle Spieler der ersten Herrenmannschaft den Verein und die Badestädter standen vor einem Neuanfang. Die ehemals zweite Herrenmannschaft wurde zur „ersten Garnitur".
Trotz vieler Unkenrufe und nur geringen Zuschauerinteresses wurden die Spieler um das Trainergespann Christoph Schell und Frank Wulfestieg Vierter in der Oberliga Rheinland.
Auch die neuformierte Damenmannschaft unter Trainer Ulf Hümmeler machte mit einem gesicherten Mittelfeldplatz keine schlechte Figur. In der vergangenen Saison erreichten die TuS-Damen Tabellenplatz vier in der Oberliga, während sich die Herren, nach verkorkster Hinrunde, mit einem Platz im Mittelfeld zufrieden geben mussten.
Nach und nach hat es das seit 16 Monaten tätige Vorstandsteam geschafft, den Schuldenberg abzubauen. Allein diese Tatsache rechtfertigt im Nachhinein den damals mehr als bitteren Rückzug aus der Regionalliga.
Wie ist es nun um die Zukunft des Marienberger Handballsportes bestellt??? Die Damen können auch im nächsten Jahr auf den sich zuletzt bewährten Spielerkader zurückgreifen, während die Herren vor einem Umbruch stehen. Mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren stellt die TuS eine der jüngsten Mannschaften in der Oberliga Rheinland. Bis auf zwei Ausnahmen hat es Trainer Heiner Schell nur mit Marienberger Eigengewächsen zu tun, mit denen die Handballabteilung eine Basis für die Zukunft schaffen will.
Dabei hoffen alle Handballer auf die Unterstützung der Zuschauer, die seit jeher ein äußerst wichtiger Faktor bei den Erfolgen der Badestädter war.
25 Jahre Handball in Bad Marienberg, das ist ein Vierteljahrhundert mit Höhen und Tiefen des Sportes, der uns alle begeistert. Hier sind natürlich nicht alle Erfolge erwähnt. Viele Rheinland-Pokalsiege, Rheinlandmeisterschaften, Staffelsiege und Jugendtitel bleiben ungenannt.
Eins jedoch, was den Handball in Marienberg zu etwas besonderem macht, soll noch genannt werden.
DIE KAMERADSCHAFT UND DIE FAMILIÄRE ATMOSPHÄRE!!!
Seit 25 Jahren prägen diese Begriffe den Verein. So ist es auch nicht verwunderlich, dass meist ganze Handballfamilien in der TuS entstanden. Namen wie Rückes, Sanner, Schell, Emrich, Rasche, Halb, Kluth .… usw. prägten das Bild der Abteilung auf und außerhalb des Spielfeldes. Grillfeste, Abschlussfahrten oder Feiern im Vereinslokal (Anm.: … und am Waidling) sorgten für einen einzigartigen Zusammenhalt zwischen Spielern, Offiziellen und Fans. Dies alles hat die TuS Bad Marienberg zu dem gemacht, was sie jetzt auch noch ist und noch weitere 25 Jahre bleiben soll:
DIE HANDBALL-HOCHBURG IM WESTERWALD!!!
